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Die Burggrafen von Odenkirchen

Die Idee

Man schrieb Dezember 1968, es war der Sonntag-Vormittag vor der Jahreswende, als "Ruet-Wiss Okerke" seine Mitgliedversammlung im Restaurant Gierling zu Wetschewell einberufen hatte. Es war ein kalter Morgen, es lag Schnee und nur 10 Mitglieder waren nach Wetschewell gekommen, um die Gala-Sitzung zum 18. Januar 1969 im Saalbau Gierling in den Einzelheiten abzusprechen. Die damaligen Wirtsleute, das Ehepaar Schäfer, hatte vergessen, den kleinen Versammlungsraum zu beheizen, und so setzte man sich im Saal an und um den Kanonenofen, der schnell mit Holz beheizt wurde.

Händereibend vor Kälte, zudem das übliche kalte Bier, ging es in die Gesprächsrunde. Es zeigte sich, dass der Kartenverkauf für die Gala-Sitzung gleich null war, und es waren bis dahin nur noch wenige Tage. Was blieb zu tun? Guter Rat war teuer! Da zog Emil Knour, der damalige Vorsitzende der Gesellschaft, eine Trumpfkarte aus dem Ärmel und unterbreitete den Anwesenden einen Vorschlag, der, wie wir heute wissen, mehr als eine Idee war. Es war die Geburtsstunde der "Burggrafen zu Odenkirchen", der Burggrafen der Neuzeit. Mit dieser Idee verbunden wurde kundgetan, dass Titelträger künftig nur benannt werden, wenn sie sich um Odenkirchen verdient gemacht haben oder irgendwo als gebürtige Odenkirchener sich draußen in der Welt einen Namen gemacht haben.

Um bei der Sitzung am 18. Januar 1969 zu bleiben, im Saalbau Gierling zu Wetschewell, lag nichts näher, als einen heimischen Kandidaten zum 1. Burggrafen auszurufen. Zu dieser Zeit wohnte der Heimatdichter Franz Otten in Düsseldorf. Noch am selben Tage, nach der Versammlung, fuhr Emil Knour nach Düsseldorf, um beim Kandidaten vorzusprechen. Franz Otten war von der Idee begeistert, die Gesellschaft frohlockte, die Lokalpresse berichtete im vorhinein, und die Gala-Sitzung war im Nu ausverkauft, denn viele Odenkirchener wollten dabei sein, wenn Oberbürgermeister Fritz Rahmen die Proklamation vornahm. Die Gesellschaft "Ruet-Wiss Okerke" lebt von dieser Idee, sie ist gewachsen und hat Ansehen gewonnen dank würdiger Titelträger, eben der "Burggrafen von Odenkirchen".

Stiftungsurkunde und Schwertbeschreibung

Als Symbolschwert überreiche ich, Manfred Sachse, der Historischen Karnevals-Gesellschaft Ruet-Wiss-Okerke von 1883, Stiftergesellschaft des Titels „Burggraf von Odenkirchen“ das von mir gefertigte Schwert.

Solange die Gesellschaft besteht, ist dieses Schwert Eigentum der Karnevalsgesellschaft „Ruet-Wiss-Okerke“. Es soll durch die Verleihung des Titels „Burggraf von Odenkirchen“ der Brauchtumspflege dienen. Die Namen der Träger des Titels „Burggraf von Odenkirchen“ werden jedes Jahr in die Parierstange eingraviert. Sollte sich die Gesellschaft einmal auflösen, so geht das Schwert in städtischen Besitz über.

Das Schwert entspricht einem Vorbild des 12. – 13. Jahrhunderts. Die Klinge ist 980 mm lang. Sie entspricht einem Alter des 6. -7. Jahrhunderts. Das Schwert ist insgesamt 1190 mm lang. Die Parierstange mißt 220 mm. Der Scheibenknauf hat einen Durchmesser von 60 mm. Der Knauf trägt auf einer Seite das Wappen von Rheydt und auf der anderen Seite das Wappen von Odenkirchen.

Das Gesamtgewicht beträgt 1,8 Kg. Als Besonderheit muß man die Klinge ansehen. Es ist eine wurmbunte Damastklinge. Diese hat auf ihrer Breite von 45 mm acht Bahnen türkischem Damast und als Schneiden zwei Bahnen Raffinierstahl. Die Musterung der Klinge durchdringt das ganze Gefüge des Schwertes.

Die Klinge ist naturhart, also nicht gehärtet. Es dürfte die erste Klinge dieser Art sein, die in Rheydt hergestellt worden ist. Sie wurde im August 1973 begonnen und im November des gleichen Jahres beendet.

Die Damaststahlherstellung ist heute weitgehend unbekannt und hat mit Flußstahlherstellung nichts zu tun. Der Damaszenerstahl ist eine Feuerschweißarbeit größten Umfangs. Es werden Stahlsorten mit verschiedenem Kohlenstoffgehalt im Schmiedefeuer nach festen Regeln zu einem Ganzen zusammengefügt.

Möge dieses Schwert symbolisch für Freiheit und Recht stehen und die Träger des Titels „Burggraf von Odenkirchen“ daran erinnern, daß es Werte zu verteidigen gilt, wie Brauchtum, Humor und Sitte.

Rheydt, den 26. Januar 1974
Unterzeichnet von:
Manfred Sachse - Stifter und Schmied
Joseph Topüth - Vorsitzender der K.G. Ruet-Wiss Okerke
Fritz Rahmen - Oberbürgermeister der Stadt Rheydt

Das Zeremonialschwert

Zeremonialschwert 1

Als 1969 der erste Burggraf zum Ritter geschlagen wurde, musste sich die KG Ruet-Wiss-Okerke noch mit einem geliehenen Schwert für die Zeremonie der Kürung begnügen.

1973 fertigte nun Manfred Sachse das ständige Zeremonialschwert der Burggrafengesellschaft. Zum ersten Mal benutzt wurde das Schwert im Januar 1974, als Oberbürgermeister Fritz Rahmen durch Exoberbürgermeister Schiffer zum Burggrafen gekürt wurde. Das Schwert hat eine Länge von 1,19 m und eine Klingenbreite von 4,5 cm. Die reine Klingenlänge beträgt 0,98 cm. Die Parierstangenbreite ist 22 cm. Das Schwert ist ein Scheibenknaufschwert, wie es im 12.- 13.Jahrhundert üblich war. Im Zentrum der Knaufscheibe befindet sich auf der einen Seite das Rheydter Wappen und auf der anderen Seite das Odenkirchener Wappen. In die Parierstange werden und wurden die Namen der Burggrafen mit der Jahreszahl eingeätzt.

Die Klinge des Schwertes ist der wichtigste und wertvollste Teil. Sie ist aus einem acht-bahnigen tordierten Damast, vom Typ Crolle, die Schneidleisten sind aus fein raffiniertem Stahl. Diese Klinge ist die erste, die von Manfred Sachse in dieser Damastart und Größe in Rheydt hergestellt wurde. Das Gewicht des ganzen Schwertes beträgt knapp 2 kg. Der Wiederbeschaffungswert für das Burggrafenschwert betrug seinerzeit rund 20.000,- (in Worten Zwanzigtausend) DM. Über die Grenzen von Mönchengladbach hinaus ist das Burggrafenschwert sicher bekannt.

Zeremonialschwert 2

Vor einigen Jahren erschien ein Artikel in Rajasthan (Indien) über Manfred Sachse. In diesem Bericht ist das Schwert mit abgebildet. Ständig abgebildet ist das Schwert in dem Buch von M. Sachse "Damaszenerstahl— Mythos, Geschichte, Technik u. Anwendung", das mittlerweile in der zweiten Auflage erschienen ist. Die Damastart, aus dem die Klinge geschmiedet ist, ist seit der späten Römerzeit bekannt und erreichte die Hochblüte in der karolingischen Zeit. M. Sachse konnte feststellen, dass das sogenannte Jagdmesser Karls des Großen, welches sich in der Dom-Schatzkammer in Aachen befindet, in der gleichen Damaststahl-Technik geschmiedet ist, wie das Burggrafenschwert.

Auch bei einem weiteren wichtigen Zeremonialschwert hat M. Sachse Damaststahl feststellen können. Es handelt sich um das Schwert der Domschatzkammer in Essen. Dieses Schwert hat Kaiser Otto III. seiner Cousine Mathilde verehrt, die Abtissin des Essener Stiftes war (971— 1011 n. Chr.). Von dem Kernschwert dieses Essener Schwertes fertigte M. Sachse eine Nachschmiedung an, die in der Domschatzkammer Essen neben dem Orginal-Schwert ständig gezeigt wird.

Zwischen den genannten historischen Stücken bekannter Persönlichkeiten der deutschen Geschichte, kann nun zum Burggrafenschwert eine Verbindung hergestellt werden, die das Odenkirchener Schwert über andere Schwerter hervorhebt. Ein Zeremonialschwert mit hohem Symbolcharakter. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass das Schwert unzählige Male in der überregionalen Presse abgebildet wurde, im Fernsehen zu sehen war, und dass die Landesbildstelle Münster einen über 20 Minuten dauernden Lehrfilm über die Herstellung eines derartigen Schwertes anfertigen ließ. Es wäre schön, wenn das Schwert nur durch seine Existenz dazu beitragen könnte, der Burgrafengesellschaft zu einem langen Bestehen zu verhelfen.

Bericht von Josef Katz in Zusammenarbeit mit Manfred Sachse – Damaszenerschmied und Burggraf

Der Ehrendegen der Burggrafen von Odenkirchen

alt 1983 wurde von Manfred Sachse ein Degen als Ehrengabe für die Burggrafen gestiftet. Dieser Degen soll für ein Jahr an den amtierten „Burggrafen von Odenkirchen“ verliehen werden.
Das Gefäß des Degen ist aus Tombak und ist graviert, verziert mit floralen Ornamenten.
Ursprünglich war der Degen für Beamte und Diplomaten des Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi (bis 17. September 1979) gedacht.
Auf dem Parierelement des Degens ist noch eine Kartusche in Kufi-Schrift, die Schrift kann nicht eindeutig gelesen werden.
alt Nachdem der Schah abgesetzt war, konnte Manfred Sachse den Degen verwenden. Das ursprüngliche Schah-Wappen wurde weggeschliffen und das Wappen von Odenkirchen wurde ins Stichblatt graviert und mit 1883 – 1983 versehen.
Die Solinger-Degenklinge ist aus Mono-Stahl, also kein Damaststahl, auf der Klinge ist die Inschrift zu lesen „Ehrendegen der Burggrafen von Odenkirchen 1883-1983“.
Die Klinge ist 22mm breit, an der Fehlschärfe. Die Klinge ist 850mm lang. Das Gefäß (Griff) hat eine Länge von 150mm.

Der Hersteller und Stifter des Degens ist Manfred Sachse im Jahre 1983.
Bericht von Josef Katz in Zusammenarbeit mit Manfred Sachse – Damaszenerschmied und Burggraf von Odenkirchen.

Die Burggrafen der Neuzeit

Die Liste der Burggrafen der Neuzeit in zeitlicher Abfolge:
Burggraf 2015 Lothar Erbers

Burggraf 2015:

Lothar Erbers
Burggraf 2014 Dr. Peter Mahnke

Burggraf 2014:

Dr. Peter Mahnke
Burggraf 2013 Renate Zimmermanns

Burggraf 2013:

Renate Zimmermanns
Burggraf 2012 Bernd Thiel

Burggraf 2012:

Bernd Thiel
Burggraf 2011 Herrman Josef Krahwinkel

Burggraf 2011:

Herrman Josef Krahwinkel
Burggraf 2010 Wilfried Günther

Burggraf 2010:

Wilfried Günther
Burggraf 2009 Horst Thoren

Burggraf 2009:

Horst Thoren
Burggraf 2008 Lothar Wagner

Burggraf 2008:

Lothar Wagner
Burggraf 2007 Norbert Bude

Burggraf 2007:

Norbert Bude
Burggraf 2006 Johannes van der Vorst

Burggraf 2006:

Johannes van der Vorst
Burggraf 2005 Monika Bartsch

Burggraf 2005:

Monika Bartsch
Burggraf 2004 Heinz Schmidt

Burggraf 2004:

Heinz Schmidt
Burggraf 2003 Wilhelm Dieter Beines

Burggraf 2003:

Wilhelm Dieter Beines
Burggraf 2002 Guenther Pilz

Burggraf 2002:

Guenther Pilz
Burggraf 2001 Reinhold Schaaf

Burggraf 2001:

Reinhold Schaaf
Burggraf 2000 Kurt Beaujeau

Burggraf 2000:

Kurt Beaujeau
Burggraf 1999 Hans Fleuret

Burggraf 1999:

Hans Fleuret
Burggraf 1998 Bernd Coentges

Burggraf 1998:

Bernd Coentges
Burggraf 1997 Bernd Gothe

Burggraf 1997:

Bernd Gothe
Burggraf 1996 Jochen Semmler

Burggraf 1996:

Jochen Semmler
Burggraf 1995 Manfred Sachse

Burggraf 1995:

Manfred Sachse
Burggraf 1994 Emil Knour

Burggraf 1994:

Emil Knour
Burggraf 1993 Wilhelm Strunk

Burggraf 1993:

Wilhelm Strunk
Burggraf 1991 Franz Josef Roeders

Burggraf 1991:

Franz Josef Roeders
Burggraf 1990 Hermann Jansen

Burggraf 1990:

Hermann Jansen
Burggraf 1989 Heinz Feldhege

Burggraf 1989:

Heinz Feldhege
Burggraf 1988 Heinz Kohnen  /=

Burggraf 1988:

Heinz Kohnen
Burggraf 1987 Josef Langen

Burggraf 1987:

Josef Langen
Burggraf 1986 Josef Heinen

Burggraf 1986:

Josef Heinen
Burggraf 1985 Karlheinz Jansen

Burggraf 1985:

Karlheinz Jansen
Burggraf 1984 Willi Hoff

Burggraf 1984:

Willi Hoff
Burggraf 1983 Franz Stevens

Burggraf 1983:

Franz Stevens
Burggraf 1982 Karl Klassen

Burggraf 1982:

Karl Klassen
Burggraf 1981 Heinz Crooenbroek

Burggraf 1981:

Heinz Crooenbroek
Burggraf 1980 Hans Segschneider

Burggraf 1980:

Hans Segschneider
Burggraf 1979 Albert Pelzer

Burggraf 1979:

Albert Pelzer
Burggraf 1978 Josef Paulussen

Burggraf 1978:

Josef Paulussen
Burggraf 1977 Bernhard Spellerberg

Burggraf 1977:

Bernhard Spellerberg
Burggraf 1976 Theodor Bolzenius

Burggraf 1976:

Theodor Bolzenius
Burggraf 1975 Josef Herzhoff

Burggraf 1975:

Josef Herzhoff
Burggraf 1974 Fritz Rahmen

Burggraf 1974:

Fritz Rahmen
Burggraf 1973 Berti Cohnen

Burggraf 1973:

Berti Cohnen
Burggraf 1972 Willy Beines

Burggraf 1972:

Willy Beines
Burggraf 1971 Wilhelm Schiffer

Burggraf 1971:

Wilhelm Schiffer
Burggraf 1970 Willi Hahn

Burggraf 1970:

Willi Hahn
Burggraf 1969 Franz Otten

Burggraf 1969:

Franz Otten